Pädagogen geben Entwarnung

„Gruselclowns machen Menschen Angst“. Wer muss bei dieser Überschrift nicht sofort an den US-Wahlkampf denken. Doch weit gefehlt. Es geht um Menschen, die mit Clownsmasken anderen Menschen Angst einjagen. Die Öffentlichkeit ist alarmiert.
Laut Polizeiexperte ist Angstmachen eine Straftat. Aber was heißt das in der Praxis? Will man nun alle, die Angst und Schrecken verbreiten vor Gericht stellen? Nachrichtensprecher. Das Brennpunkt-Team. Die komplette Bildzeitungsredaktion. Priester, die Bibeltexte vortragen? Das kann man nicht ernsthaft wollen. Angst ist eine ganz normale Facette des Lebens und Teil unserer Kultur. Die Öffentlichkeit täte gut daran, Ruhe zu bewahren. 

Früher z.B. fand man es befremdlich, wenn junge Menschen an Computern Spiele spielen, in denen andere Menschen abgeknallt, aufgeschlitzt und abgeschlachtet werden – in allen erschreckenden Details. Eltern waren in Angst. Die Gesellschaft hat aber dazugelernt und ist heute froh, wenn junge Menschen brav an ihren Rechnern sitzen und mit Kriegs- und Killerspielen soziale Kompetenz, Konzentration und strategisches Denken lernen und vertiefen. Heute sind virtuelle Massaker ein Kulturgut, eine sozial akzeptierte Freizeitbeschäftigung und ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor. Warum sollte es mit Gruselclowns nicht ähnlich kommen. Noch sind es wenige und die Öffentlichkeit ist verunsichert. Es ist noch neu und ungewohnt. Aber schon bald wird sich niemand mehr wundern über den Anblick von Maskierten mit Kettensägen und Baseballschlägern. Sachsen ist da schon weiter. 

Man sollte den Gruselclowns nicht mit dem erhobenen Zeigefinger begegnen. Medienpädagogen weisen auf den pädagogischen Wert dieser neuen Freizeitidee hin: „Mit abstoßenden Clownsfratzen und mit bedrohlichem Gehabe können junge Menschen ihre soziale Überanpassung überwinden und dabei schrittweise lernen, selbstbewusster in der Öffentlichkeit aufzutreten sowie den emotionalen Anforderungen einer modernen Wettbewerbsgesellschaft gestärkt zu begegnen.“