Betonköpfe reden Blech

Ausgerechnet der Autolobbyist Scheuer weiß nicht was ein Fetisch ist und präsentiert seine ministerielle Ahnungslosigkeit der Öffentlichkeit: „Tempolimit ist Fetisch“, zitiert ihn die Presse. Fetischisten übertragen kultische, religiöse oder erotische Bedeutungen und Energien auf ein Kultobjekt. Das Objekt ist allerdings aus Blech und hat vier Räder.

Unter dem Motto „Freie Fahrt für freie Bürger“ wurden die Menschen mit Freiheitsversprechen (die anfangs noch berechtigt waren) in die Fahrgastzellen gelockt, dann verkehrs- und siedlungspolitisch vom Auto abhängig gemacht und also in die Fahrgastzellen eingesperrt. Zur Entschädigung für im Auto sinnlos verbrachte Lebenszeit (immer längere Wege für Arbeit, Bildung, Einkauf, Freizeit) wurden die Kultobjekte massiv aufgerüstet und mit allem Komfort versehen. So soll der Mensch mit modernster Gewissenszweifelabschaltelektronik über Straßen und Autobahnen brettern und den Lebensraum Stadt verwüsten.

Die Konzerne bedanken sich, bzw. bedanken sich noch nicht mal, sondern kassieren und profitieren und kriegen auch noch Abwrackprämien, Kurzarbeitergeld und Subventionen ins Rektum geschoben. Die Propagandisten der Automobilen Pseudofreiheit, ob Kohl, Schröder, Merkel, ADAC, Bild oder Scheuer haben die Gesellschaft in eine groteske und zerstörerische Übermotorisierung und Dauermobilisierung getrieben, die auch durch vermehrte E-Antriebe keinen Deut besser wird.

Sie haben sich in den Dienst der Konzerne gestellt, die möglichst vielen der inzwischen 7,8 Milliarden Erdenbürger ein Auto andrehen wollen – eine Kampfansage an die Lebensgrundlagen der Menschheit. Tempolimits sind eine schnelles und einfaches Mittel das viel zu hohe Verkehrsaufkommen wenigstens etwas zu drosseln und Unfälle zu reduzieren. Zehntausende Tote gehen bisher auf das Konto der Ideologen, die seit Jahrzehnten Tempolimits verhindern.

Klimaziele sind ohne Tempolimits nicht zu erreichen. Verkehrtminister Scheuer spielt sich als Verteidiger der Freiheit auf und kann mit dem Applaus der Autoindustrie, der Bildzeitung und dem kleinen Mann auf der Straße (im großen Auto) rechnen. Dafür weist er ihnen den Fluchtweg raus aus der Wirklichkeit  und rein in den ökologischen Kollaps. In ein Verkehrsministerium gehören Politiker*innen mit Weitblick und Augenmaß und keine Betonköpfe die Blech reden.“